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Experte nach US-Angriff auf Venezuela: "Kann Trump teuer zu stehen kommen"

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Die US-Regierung verteidigt ihren Angriff auf Venezuela. Ein US-Experte erklärt, warum nicht alle in der eigenen Partei mit Trumps Rechtfertigung zufrieden sind – und warnt Europa. Nach dem US-Angriff auf Venezuela gibt es nicht nur international, sondern auch in den USA Kritik am Präsidenten. Während Mitglieder der Trump-Regierung das Vorgehen verteidigen, bemängeln Demokraten und einzelne Republikaner die Angriffe als illegal, teils auch als Kriegserklärung an Venezuela – und die darf es ohne Zustimmung des Kongresses eigentlich nicht geben. Doch die Trump-Regierung hält ihr Vorgehen für gerechtfertigt. Der US-Experte David Sirakov erklärt im t-online-Interview, auf welches Gesetz sie sich dabei beruft, was nun auf Maduro zukommt – und wie Trump seiner Basis den Angriff verkaufen kann. "Sehr ähnlicher Fall": Trump droht weiterem Land Nach US-Angriff: Newsblog zum Militäreinsatz in Venezuela t-online: Herr Sirakov, Trump hatte sich ja als Friedenspräsident im Wahlkampf verkauft. Nun greift er Venezuela an. Wie passt das zusammen? David Sirakov: In seiner eigenen Erzählung ist das kein Widerspruch, sondern die Vollendung seines Versprechens, Amerika "sicher" zu machen. Und zwar nicht durch langwierige Besatzungskriege, sondern durch schnelle, einseitige Machtdemonstrationen gegen als "Narco‑Terroristen" gebrandmarkte Gegner im eigenen Hinterhof. Teile der Maga‑Basis legen großen Wert auf "Recht und Ordnung". Sie sehen Maduro seit Jahren als sozialistisches Feindbild und in Venezuela vor allem Drogen, Migration und eine Bedrohung der US‑Hemisphäre. Dieser Schlag passt daher durchaus ins Bild eines starken, entschlossenen Trump, der "im Zweifel die Faust zeigt". Aber damit kann er doch niemals alle parteiinternen Kritiker überzeugen. Richtig, denn es gibt Risse: Die strikt anti‑interventionistischen Strömungen, die Trump gerade wegen seiner "Keine Endlos-Kriege mehr"-Rhetorik gewählt haben, sehen sehr genau, dass hier ein nicht angegriffener Staat ohne UN‑Mandat völkerrechtswidrig bombardiert und ein Staatschef de facto gestürzt wird. Das erinnert eher an die Interventionen, die man bisher den als "Globalisten" beschimpften Präsidenten wie George W. Bush zugeschrieben hat. Das kann Trump politisch noch teuer zu stehen kommen. Insbesondere wenn die Stabilisierung Venezuelas nach dieser Operation nicht gelingt und sogar US-Truppen benötigt würden. Hier sind noch sehr viele Fragen offen. Hat der Angriff womöglich auch innenpolitische Motive? Garantiert. Innenpolitisch dürfte Trump den Schlag klar als Signal an seine Wählerschaft nutzen: Er will Handlungsfähigkeit in der Außen‑ und Sicherheitspolitik zeigen. Außerdem kann er so ein spektakuläres Beispiel für Härte im "War on Drugs" liefern und zugleich demonstrieren, dass er sich von einem angeblich zaudernden Kongress oder internationalen Institutionen nicht bremsen lässt. Dennoch lehnte noch Ende November 2025 eine deutliche Mehrheit von 70 Prozent ein militärisches Eingreifen der USA in Venezuela ab. Der Kongress war scheinbar zu keinem Zeitpunkt eingebunden – dabei muss der Präsident vor einem kriegerischen Akt eigentlich die Zustimmung der Legislative einholen. Formal beruft sich das Weiße Haus auf sehr weit ausgelegte präsidentielle Befugnisse als Commander in Chief. Flankiert wird diese Auslegung durch ein bislang geheimes Gutachten des Justizministeriums... ... das die Luftschläge gegen Venezuela als zulässige, begrenzte Gewaltanwendung im Rahmen der US-Exekutivmacht darstellt. Genau das ist der Grund, warum Juristinnen und Teile des Kongresses von einem Verstoß gegen die Verfassung und die "War Powers Resolution" sprechen: Es gibt weder eine spezielle Kriegsermächtigung gegen Venezuela noch einen Rückgriff auf eine bestehende Genehmigung zum Einsatz militärischer Gewalt, die hier überzeugend greifen würde. Kann der Kongress sich wehren – und Trump Probleme bereiten? Schon möglich. Bereits vor dem Angriff hatten Mehrheiten im Kongress knapp verhindert, dass Trumps Handlungsspielraum per Gesetz beschnitten wird. Entsprechende Anläufe, Militärschläge gegen Venezuela ohne vorherige Zustimmung des Kongresses zu verbieten, scheiterten nur mit wenigen Stimmen. Jetzt gehen demokratische Abgeordnete und einzelne republikanische Kritiker öffentlich von einem "illegalen Krieg" aus. Sie verlangen Anhörungen – politischer Druck, Untersuchungsausschüsse oder Klagen sind daher sehr wahrscheinlich. Und dann? Ob ein Gericht kurzfristig eingreift, ist offen. In der kommenden innenpolitischen Auseinandersetzung wird es sehr stark um die Frage gehen, ob dieser Einsatz als Krieg oder als begrenzte militärische Operation gewertet wird. Nur letztere lässt sich unter der bisherigen, sehr präsidentenfreundlichen Auslegung der "War Powers Resolution" ohne vorherige Zustimmung des Kongresses rechtfertigen. Maduro und seine Frau werden nun vor ein US-Gericht gestellt. Was haben sie zu erwarten? Juristisch betritt die US‑Seite kein völlig neues Terrain: Gegen Nicolás Maduro existiert seit 2020 eine Anklage in New York , in der ihm Drogenterrorismus, Verschwörung zur Einfuhr großer Mengen Kokain in die USA und der Einsatz staatlicher Machtmittel zur Absicherung dieses Drogennetzwerks zur Last gelegt werden. Die US‑Justizministerin hat klargemacht, dass Maduro in New York vor Gericht gestellt werden soll und mit einem Bündel an Anklagepunkten rechnen muss. Was für eine Strafe droht ihm? In der Summe drohen hier extrem lange Freiheitsstrafen bis hin zu lebenslangem Freiheitsentzug. Und seiner Frau Cilia Flores? Dass auch sie ausdrücklich genannt wird, ist neu. Flores war in der alten Anklage nicht enthalten und wird der Generalstaatsanwältin zufolge nun mit einem eigenen, noch nicht im Detail veröffentlichten Katalog an Vorwürfen angeklagt. Wird Trump in den Prozess eingreifen? Ja. Politisch wird die US‑Regierung den Prozess nutzen, um Maduro nicht nur als illegitimen Machthaber, sondern als Chef eines kriminellen Kartells zu markieren. In der Logik Trumps ist das die nachträgliche Legitimationsfolie für einen Militärschlag, der offiziell nicht der "Regime Change"-Politik, sondern der Bekämpfung von "Narco‑Terroristen" dient. Die Folgen werden aber viel weiter reichen. Wie meinen Sie das? Trumps Vorgehen ist ein Warnsignal für europäische Unterstützer ideologisch verwandter Parteien. Seine Venezuela‑Politik fügt sich in eine Strategie, die die westliche Hemisphäre als exklusive Einflusszone definiert und militärische Mittel bewusst entgrenzt, wenn sie den eigenen politischen und ökonomischen Interessen dienen. Das bedeutet konkret? In seiner Nationalen Sicherheitsstrategie wird die Monroe‑Doktrin explizit aktualisiert. Die die US-Vormachtstellung in Südamerika im Zweifel auch militärisch absichern soll. Richtig. Die USA beanspruchen nun, "unfreundliche" Regime und alternative Ordnungsmodelle in Lateinamerika notfalls militärisch zu korrigieren, zugleich aber globale Verpflichtungen zu reduzieren. Das ist kein klassischer globaler Interventionismus, sondern ein gezielt regionaler, ressourcenorientierter Imperialismus. Und demonstriert ein autoritäres Verständnis von Politik. Trump verbindet diesen Anspruch mit der systematischen Aushöhlung rechtsstaatlicher Kontrollmechanismen: geheime Rechtsgutachten, faktische Umgehung des Kongresses unter Verweis auf vage Sicherheitsnarrative wie "Narco‑Terrorismus", die Abwertung internationaler Institutionen und eine Rhetorik, die Gegner entmenschlicht und kriminalisiert, um Militärschläge innenpolitisch anschlussfähig zu machen. Ja, das ist charakteristisch autoritär. Europa hat sich diesbezüglich bisher äußerst passiv verhalten. Das ist wahr. Die Eskalation gegenüber Venezuela zeigt, wie schnell aus der Kombination von autoritärem Führungsanspruch, "America/Europe First"-Rhetorik und selektivem Imperialismus reale Militärschläge werden können. Das sollte in Europa als deutliche Warnung gelesen werden. Und zwar bevor entsprechende Logiken hier politisch mehrheitsfähig werden. Sie warnen Europa vor einer Übernahme von Trumps Politik. Die Gefahr besteht. Viele rechtspopulistische Parteien auf dem Kontinent teilen zentrale Elemente von Trumps Ideologie – etwa aggressive Souveränitätsrhetorik oder Feindbildkonstruktionen gegen "linke" Regierungen – und berufen sich explizit positiv auf Trumps Politik. Wer solche Kräfte unterstützt, wählt im Zweifel nicht nur eine härtere Migrations‑ oder Kulturpolitik. Sondern auch ein außenpolitisches Modell, das Rechtsstaatlichkeit, Völkerrecht und multilaterale Bindungen als lästige Fesseln betrachtet. Herr Sirakov, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.