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Декабрь
2025

Sandro Wagner: Aus beim FC Augsburg – der Plan war ein anderer

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Sandro Wagner sollte dem FC Augsburg ein neues Gesicht verleihen. Schluss mit grauer Maus, her mit Erfolg. Doch es kam anders. An das Stadion in Sinsheim hatte Sandro Wagner eigentlich gute Erinnerungen. Für die TSG Hoffenheim schoss er hier zwischen 2016 und 2018 einige Tore, feierte dadurch auch sein Debüt in der deutschen Nationalmannschaft. Seit dem vergangenen Samstag sind Wagners Erinnerungen an Sinsheim getrübt. Denn die Partie mit seinem FC Augsburg bei der TSG Hoffenheim war seine vorerst letzte als Cheftrainer. Die 0:3-Niederlage war eine zu viel für den 38-Jährigen, der bereits seit Wochen unter Beobachtung stand. Der jüngste Sieg gegen den Hamburger SV in der vergangenen Woche sollte die Lage zunächst entspannen, aber nicht wirklich lösen. Sandro Wagner und der FC Augsburg: Nach nur fünf Monaten ist das gemeinsame Kapitel schon wieder beendet. Dabei war sein Plan ein gänzlich anderer. "Neue Einblicke" beim DFB statt 3. Liga Auch wenn Sandro Wagner aufgrund seiner extrovertierten Art einen impulsiven Eindruck macht, wählte er als Trainer seinen Karriereweg mit Bedacht. Während andere Ex-Profis die erste Gelegenheit für den großen Trainerjob wahrnehmen, ging Wagner einen geduldigeren Weg. Über den DFB-Nachwuchs ging es nach Unterhaching, wo er von 2021 bis 2023 sein Debüt als Cheftrainer feierte. In der Regionalliga Bayern feierte Wagner dann in seinem zweiten Jahr einen Erfolg – den Aufstieg in die 3. Liga. Statt den Weg mitzugehen, entschied sich der Ex-Nationalstürmer aber, Unterhaching zu verlassen. Wagner wollte lieber Co-Trainer von Hannes Wolf in der deutschen U20-Nationalmannschaft sein. "Nach meinen ersten Jahren als Trainer ist dies der perfekte nächste Schritt für mich", sagte er damals. "Beim DFB werde ich neue Einblicke bekommen, die mir bei meiner persönlichen Weiterentwicklung helfen werden." Tatsächlich sollte er diese Aufgabe nur wenige Monate betreuen, ehe sich im September 2023 eine viel größere Chance auftat. Nach dem Aus von Bundestrainer Hansi Flick benötigte der DFB eine kurzfristige Lösung für die A-Nationalelf. Die Wahl fiel auf ein Trio aus Rudi Völler als Gesicht und Hannes Wolf und Sandro Wagner als Tüftler im Hintergrund. Wagners Arbeit gefiel den DFB-Bossen, sodass er als Co-Trainer von Flicks Nachfolger Julian Nagelsmann Teil der A-Nationalmannschaft bleiben sollte. "Er ist sensationell gut" Nagelsmann war von den Qualitäten seines Assistenten schnell überzeugt. "Er ist sensationell gut, unfassbar fleißig, strukturiert", sagte er nach wenigen Wochen der Zusammenarbeit. Wagner unterstützte Nagelsmann in der Kommunikation nach außen, gab im Rahmen der Heim-EM 2024 gelegentlich Interviews im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Mit seiner direkten und klaren Art sammelte Wagner bei den Fans einige Sympathien. Als er dann im Sommer 2025 seinen Abschied vom DFB bekannt gab, war es dennoch eine Überraschung. Denn erst ein halbes Jahr zuvor hatte Wagner den Lehrgang zur Uefa Pro-Lizenz begonnen, der ein Jahr dauert. Daher war erwartet worden, dass der akribische Karriereplaner erst nach der WM 2026 den DFB verlassen würde. Offenbar aber war die Aufgabe Augsburg so reizvoll, dass Wagner sich bereit fühlte. Und für viele Fans und Beobachter war klar: Sandro Wagner ist das nächste deutsche Trainertalent mit Erfolgsgarantie. Gerade auch, weil er sich mit Augsburg einen eher kleineren Klub in der Bundesliga aussuchte, wo der Druck etwas geringer ist. Sandro Wagner muss gehen: Augsburg verkündet Trennung Was sagt Wagner? So reagiert der Trainer auf das Aus Doch es dauerte nicht lange, da war klar, was Sandro Wagner in Augsburg bedeutet. Bei seiner ersten Pressekonferenz waren so viele Journalisten da wie selten zuvor. Ihm selbst war das unangenehm. "Wer bin ich denn?", fragte Wagner in die Runde. Er betonte mehrfach, demütig sein zu wollen. Er habe ja noch kein Spiel absolviert. "Da wäre es doof, wenn ich das raushauen würde", betonte er. "Das war nichts Böses" Es sollte nicht allzu viele Spiele dauern, bis Wagner dann doch mit Worten auf sich aufmerksam machte. Nach der 2:3-Niederlage gegen den FC Bayern am 2. Spieltag sagte er voller Überzeugung: "Ich sehe es nicht, dass wir weniger Qualität haben als Bayern." Eine Aussage, die nicht nur bei den Fans des Rekordmeisters Stirnrunzeln auslöste. Rekordnationalspieler Lothar Matthäus stellte bei Sky klar: "Das sind Sätze, die gut gemeint sind, aber der FC Bayern spielt in einer anderen Liga als Augsburg, auch wenn das Ergebnis am Ende ziemlich knapp ausfiel. Mit Bayern muss sich Wagner nicht vergleichen. Da hat er ein bisschen eine falsche Wahrnehmung." Es sollte nicht das letzte Mal sein, dass Wagner durch Dinge abseits des Rasens auffiel. Nach dem Heimsieg gegen Wolfsburg machte er in Richtung der Tribüne mit seiner Hand eine Geste, die einen redenden Mund imitieren sollte. Beobachter nahmen das als Anspielung auf die Diskussionen um seine Zukunft als Trainer wahr. Darauf angesprochen sagte Wagner bei DAZN, dass das Thema "nicht schön" gewesen sei, aber: "Ich mag sowas gerne, es können ja viele reden. Mit mir macht das nichts." Auf die Geste bezogen, fügte er aber an: "Das war nichts Böses." Dennoch sollte die Aktion manchem Fan im Kopf bleiben. Wenige Wochen später zeigten einzelne Ultras beim Heimspiel gegen den BVB Plakate hoch, die Wagners Verhalten kritisierten. "Personenkult und Marketingwahn – das sind nicht unsere Werte" oder "Niemand ist größer als der Verein", hieß es auf Plakaten in der Augsburger Kurve. Wagner war nun auch bei den Fans angezählt. Nachhaltiger Erfolg hätte das angespannte Verhältnis natürlich etwas verbessern können, doch der sollte ausbleiben. Auf das 0:1 gegen Dortmund folgte ein 2:3 in Stuttgart, ein 1:0-Sieg gegen den HSV und jetzt das 0:3 bei der TSG Hoffenheim. Vor den letzten Spielen des Kalenderjahres fehlte im Verein "der Glaube und die Überzeugung, in der aktuellen Konstellation den Turnaround zu schaffen", erklärte Geschäftsführer Michael Ströll. Erster Knick im Karriereplan des 38-Jährigen Wagner, der gemäß Punkteschnitt schwächste Augsburger Coach seit dem Bundesliga-Aufstieg 2011, habe zwar "leidenschaftlichen Einsatz" gezeigt, doch stehe "bei jeder Entscheidung, die wir treffen, immer das Wohl des FCA im Zentrum". Wie es für Sandro Wagner weitergeht, ist offen. Klar ist aber: Das Aus in Augsburg ist ein Rückschlag – sportlich wie symbolisch. Denn der 38-Jährige wollte mit Bedacht und Strategie den Weg nach oben gehen. Stattdessen bleibt ihm vorerst nur die Erkenntnis, dass im schnelllebigen Bundesliga-Alltag selbst der klügste Plan ins Wanken geraten kann.