Bayer-Aktie mit Kurssprung: Neuer Hoffnungsträger Asundexian
12 Prozent Plus für die Bayer-Aktie an einem Tag: Ein neues Medikament zur Schlaganfall-Prävention zeigt vielversprechende Studienergebnisse. Ein Lichtblick für das Unternehmen – und die Pharmabranche in Deutschland. Die Beharrlichkeit des Arzneimittelherstellers Bayer hat sich ausgezahlt: Nach einem Forschungsrückschlag 2023, als der Gerinnungshemmer Asundexian in einer klinischen Studie gescheitert war , zeigt sich jetzt: Das Medikament könnte das Schlaganfall-Risiko deutlich senken. Die Aktie des Dax-Konzerns sprang sofort an: 12 Prozent Kursplus an einem Tag. Mit diesem Tagesgewinn summieren sich die Zuwächse der Aktie in diesem Jahr auf mehr als 50 Prozent. Zwar ist sie bei 30 Euro immer noch weit weg von alten Höhen wie etwa 140 Euro vor zehn Jahren oder gut 100 Euro vor acht Jahren. Damals hatte Bayer mit der Übernahme des US-Unternehmens Monsanto und dessen Unkrautvernichter Roundup hohe Risiken eingekauft und sieht sich seitdem Milliarden-Klagen gegenüber. Asundexian könnte nun einen Hoffnungsschimmer nach jahrelanger Forschung darstellen. Milliardenumsatz denkbar Analysten sehen für Bayer daher wieder Potenzial. Drei Milliarden Euro beim Umsatz erwartet Goldman Sachs . J.P. Morgan rechnet immerhin mit einer Milliarde Euro Umsatz. Das wäre nicht so viel wie vor zwei Jahren erhofft und kommuniziert (nämlich fünf Milliarden), aber dafür, dass an Asundexian (außerhalb von Bayer) offensichtlich nur noch Experten geglaubt haben, ist das durchaus positiv. Oder "wegweisend", wie Goldman Sachs es beschreibt. Vor zwei Jahren war die Aktie um 20 Prozent eingebrochen, als genau das Medikament in einer Studie in der wichtigen Phase III nicht die gewünschten Ergebnisse brachte. Denn auf die zählt Bayer beziehungsweise muss darauf zählen: Asundexian soll die Umsatzausfälle vom Vorgänger-Medikament Xarelto ausgleichen. Xarelto hatte verlässlich Milliarden eingebracht, doch das Patent läuft ab. Demografie bringt hohen Bedarf Weltweit haben rund 12 Millionen Menschen pro Jahr einen Schlaganfall . Innerhalb von fünf Jahren erleidet einer von fünf, die den ersten Schlaganfall überlebt haben, einen weiteren. Die gesundheitlichen Folgen sind beim zweiten Mal noch gravierender. Der Bedarf an einem Medikament zur Prävention ist also groß und wächst durch den demografischen Wandel stetig. Bayer will nun bei den Gesundheitsbehörden die Zulassung einreichen. Die US-Gesundheitsbehörde FDA (Federal Drug Administration) hat Asundexian bereits den Fast-Track-Status erteilt. Damit winkt eine beschleunigte Zulassung. Das heißt: Hier wäre binnen sechs Monaten eine Zulassung möglich. Ohne den Status sind es gut und gerne zehn Monate. Damit hätte Bayer dann in Zukunft einen neuen alten Blockbuster im Portfolio, der Patentausfälle ausgleichen kann. Anzeichen bei Frauen und Männern: Welche Schlaganfall-Symptome typisch sind Warnzeichen: Darum ist der Mini-Schlaganfall so gefährlich Umkämpfter Markt Der Markt ist allerdings umkämpft, weil lukrativ. Der US-Hersteller Bristol Myers-Squibb entwickelt ein ähnliches Präparat zusammen mit Johnson & Johnson : Milvexian. Sie hatten erst kürzlich einen Rückschlag erlitten: Eine Phase 3 Studie wurde vorzeitig beendet, die Aktie ging auf Talfahrt. Denn ähnlich wie bei Bayer laufen auch bei Bristol Myers-Squibb Patente aus – und die Suche nach Nachfolgern auf Hochtouren. Die Bayer-Meldung ist auch für den Standort Deutschland eine gute Nachricht. Teuren Produktionskosten, Billig-Konkurrenz aus China und viel Regulatorik stehen eine starke Forschung und starke Exporte gegenüber: Die Pharmabranche ist eine Schlüsselindustrie der deutschen Wirtschaft. Sie könnte sogar (noch) besser dastehen, wenn nicht demnächst Import-Zölle aus den USA drohten. Trotz aller Umstände bleibt Deutschland einer der besten unter den relevanten Pharma-Standorten bei Publikationen, Neugründungen von Start-ups und Investitionen, zeigt das Ergebnis des "PROUD Update". Der Fraunhofer-Verbund Gesundheit und der Verband der forschenden Pharma-Unternehmen untersuchen darin die Qualität und Leistungsfähigkeit des Forschungs- und Entwicklungsstandorts Deutschland. Ein Wundermittel ist Asundexian sicher nicht. Aber gemeinsam mit anderen Blockbustern hilft es Bayer womöglich, Unternehmen und Aktie wieder auf Spur zu bringen.
