Tourismus: Wachstum trotz aller Widrigkeiten
2025 kamen zehn Prozent mehr Touristen nach Russland als im Vorjahr. Vertreter der Tourismusbranche befürchten jedoch, dass der Zustrom von Ausländern angesichts der Schwierigkeiten und Einschränkungen im Staat zurückgehen könnte.
Rekordzahlen
Der Incoming-Tourismus in Russland wächst und wird in den nächsten zwei Jahren das Niveau der Zeit vor der Coronavirus-Pandemie erreichen. Diese Prognose äußerte der erste Vizepräsident des Russischen Tourismusverbandes Juri Barsykin. Ihm zufolge kommen die meisten Touristen aus China. Auch aus den Ländern des Nahen Ostens, darunter die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien und Oman, aus Südostasien, darunter Indien und Malaysia, sowie aus den GUS-Staaten reisen viele Touristen nach Russland. Traditionell ziehen Moskau, St. Petersburg und die südlichen Städte Russlands die meisten Reisenden an.
Nach Angaben des Verbandes der Reiseveranstalter Russlands, der sich auf Statistiken des Grenzschutzdienstes des FSB stützt, registrierte die Behörde 2024 1.572.000 Touristenreisen ausländischer Staatsbürger nach Russland. Das sind 134,4 Prozent mehr als im Jahr zuvor. In diesem Jahr soll sich das Wachstum fortsetzen, jedoch nicht in gleichem Maße, sondern nur noch um 11–12 Prozent.
Wachstumsfaktor: E-Visa
Die russischen Behörden erklären den Zustrom von Touristen unter anderem mit der Einführung der gegenseitigen Visafreiheit, wie im Fall Chinas, und der elektronischen Visa. Innerhalb von zwei Jahren erweiterte man die Liste der Länder, deren Bürger eine Einreisegenehmigung elektronisch beantragen können. Früher waren es 55, jetzt sind es 64. Außerdem verlängerte man die Aufenthaltsdauer im Land mit diesem Visum von 16 auf 30 Tage.
Die Leiterin eines Moskauer Reisebüros Nasiba Aliewa ist der Meinung, dass es für viele Touristen viel einfacher wäre, wenn sie das Formular auf der Webseite in ihrer Muttersprache – Arabisch, Chinesisch oder Türkisch – ausfüllen könnten. „Derzeit ist die Beantragung eines Visums nur auf Russisch und Englisch möglich“, erklärte sie im Gespräch mit der MDZ.
Zahlungsprobleme
Mit einer Bankkarte kann man aber nur vier Visa bezahlen. Daher entstehen Reiseveranstaltern Probleme, wenn eine große Gruppe von Touristen reist. Um ein Visum zu erhalten, muss man ein umfangreiches Anfrageformular ausfüllen. „Es umfasst etwa 40 Seiten, die Fragen sind sehr ausführlich – man muss alle sozialen Netzwerke angeben, in denen man einen Account hat, umfassend über seine Arbeit, Ausbildung, sogar über seine Eltern und den Militärdienst Auskunft geben“, berichtete der MDZ Demir Tasch, ein Tourist aus der Türkei.
Auch in Russland werden Touristen mit dem Problem der Zahlung konfrontiert. Man muss Bargeld mitnehmen, da ausländische Bankkarten in Russland nicht funktionieren. Die Pläne der russischen Behörden, eine „Touristenkarte“ einzuführen, um das Problem zu lösen, gingen nicht in Erfüllung.
An der Grenze
Ein besonderes Erlebnis ist die Grenzkontrolle. „Der echte Stress für mich ist die Begegnung mit den russischen Grenzbeamten. Sie haben immer einen steinernen Gesichtsausdruck, sprechen etwas auf Russisch, nehmen den Reisepass und gehen ohne Erklärung in einen hinteren Raum, um ihn zu überprüfen. Manchmal muss man 20 bis 30 Minuten warten“, klagt der türkische Tourist.
Seit Oktober kämpfen Touristen und reisende Russen mit einem weiteren Problem: Nach Rückkehr bzw. Ankunft in Russland wird das mobile Internet auf SIM-Karten für 24 Stunden blockiert. Die russischen Behörden erklären, dass sie so mit Drohnen kämpfen. Ob das hilft, ist bisher unklar. Aber alle Reisenden bleiben einen Tag lang ohne Mobilfunkverbindung und ohne die Möglichkeit, Online-Zahlungen zu tätigen, da sie keine SMS-Bestätigung ihrer Transaktion erhalten können.
Teufelskreis
Auch der Kauf einer russischen SIM-Karte ist nicht möglich. Derzeit braucht man dafür eine Registrierung bei „Gosuslugi“ (dem föderalen Staatsinformationssystem), was allerdings eine russische Telefonnummer verlangt. Reiseveranstalter setzen ihre Hoffnungen auf die mobile App „Visit Russia“, die Touristen bei der Planung ihrer Reise durch Russland helfen soll. Ausländer werden allerdings diese App kaum nutzen können, solange man andere Probleme im Zusammenhang mit der Einreise in das Land nicht beseitigt. Wie so Touristenzahlen wachsen, ist ein Rätsel.
Xenija Melnikowa
Запись Tourismus: Wachstum trotz aller Widrigkeiten впервые появилась Moskauer Deutsche Zeitung.
