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Июнь
2021

Edingen-Neckarhausen: Die lange Geschichte des "Ochsen"

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Von Nicoline Pilz

Edingen-Neckarhausen. Seine Tage als Wirtshaus sind gezählt, aus dem alten Gehöft des "Ochsen" werden Wohnhäuser nach den Plänen des Architekten Gerald Eberhard und seines Kollegen Jeremy King aus Rom. Der Technische Ausschuss hat der Bebauung mit zwölf Wohneinheiten bereits zugestimmt, jetzt wartet Eberhard noch auf das "Okay" des Landesdenkmalamts.

Der "Ochse" war einst eines der traditionsreichsten Gasthäuser in Edingen. Daran erinnert sich Wolfgang Ding, Vorsitzender des Kultur- und Heimatbundes noch aus eigener Erfahrung und durch Erzählungen von Älteren. Schriftliches dazu gibt es nicht im Archiv des Vereins, was wohl an dessen Alter liegt: Das Hauptgebäude des Gasthauses stammt aus dem Jahr 1869. Die rückwärtigen Anbauten kamen zwischen 1874 und 1889 hinzu – der Kultur- und Heimatbund feierte 2015 seine Fusion als Zusammenschluss des 1973 gegründeten Heimatbundes und seines Neckarhäuser Pendants, des Kulturrings.

Von Tanzkurs bis Tischtennis

Wolfgang Ding schildert, dass sich im "Ochsen" zahlreiche Vereine für Versammlungen trafen und im Obergeschoss Vereinsbälle sowie Brieftauben- und Kleintierausstellungen stattfanden. Wenn abends die Musikkapellen spielten, sangen die Kinder in den angrenzenden Häusern in ihren Betten gerne die Schlager mit. Im Saal trainierte später die Tischtennis-Abteilung der Sportvereinigung Fortuna Edingen, bis sie ins Vereinsheim am Sportplatz umzog, sich die Abteilung selbstständig machte und einen eigenen Verein, den Tischtennisclub, gründete.

"Die Gartenwirtschaft war in den 50er und 60er Jahren nie regelmäßig für längere Zeit in Betrieb", schildert Ding. Er verweist auf Anneliese Wacker, deren Eltern Rosa und Hans Vogt den "Ochsen" von 1953 bis 1961/62 führten. Die beiden Töchter halfen beim Verkauf und beim Bedienen in der gutbürgerlichen Wirtschaft, in der Rosa Vogts Schwester als Köchin arbeitete. Spezialitäten, so erinnert sich Anneliese Wacker, seien saure Nieren, gebackene Leber und Schweinepfeffer gewesen, Letzteres zu dieser Zeit in Edingen wohl noch eher unbekannt. "Die Auslastung war gut, jede Woche wurde ein Schwein geschlachtet", so Anneliese Wacker. Tatsächlich war im Hintergebäude ein Schlachthaus untergebracht. Im Eingangsbereich gab es eine Durchreiche für einen Straßenverkauf. Nicht nur für Schlachtprodukte, sondern auch für offenes Bier, das in mitgebrachte Krüge ausgeschenkt wurde.

Von der Bäckerei Jung, kurz "Junge-Bäcker", bezogen Vogts den legendären Bienenstich, der zum Kaffee serviert wurde. In den Wintermonaten fand im Hof ein Verkauf von Weihnachtsbäumen statt. Arbeiter des Unternehmens "Rhein-Chemie" in Mannheim-Rheinau kamen gern zum Mittagstisch. Im Saal des Obergeschosses gaben zwei Tanzschulen aus Mannheim und Ladenburg Tanzkurse – in der kälteren Jahreszeit mussten die Teilnehmer selbst Holz und Briketts zum Heizen mitbringen. Neben den Vereinen nutzten auch Parteien den "Ochsen" für Veranstaltungen; nach ihren Sonntagsspielen kamen zudem die Fußballer der Fortuna gern hierher und nutzten dankbar den bereitgestellten Waschzuber, um sich zu erfrischen. Einmal gab es im Keller des "Ochsen" zur Kerwe eine Straußwirtschaft. Durch den Genuss von neuem Wein hatte indes ein namhafter, bereits verstorbener Edinger Bürger auf der steilen Kellertreppe einen Unfall – die Bewirtung fand dann bei folgenden Kerwen nicht mehr statt.

Wacker bestätigt, dass die Außenbewirtung im Garten nicht gut angenommen und deshalb bald wieder aufgegeben wurde. Angesichts des phänomenalen Blicks über den Neckar bis zum Odenwald eigentlich verwunderlich. Anneliese Wacker erinnert sich auch daran, dass der "Ochse" als eines der ersten Gasthäuser am Ort ein Fernsehgerät hatte. Im Juni 1953 habe dort halb Edingen die Krönungszeremonie von Königin Elizabeth II. "im gerammelt vollen Gastraum" mitverfolgt. Und auch bei Fußballübertragungen war die Gaststätte immer gut besucht.

Später, so erzählen Wolfgang Ding und Anneliese Wacker übereinstimmend, habe der "Ochse" verschiedene Pächter gehabt, die mehr oder weniger erfolgreich das alte Wirtshaus führten. Seit einigen Monaten hat sich dort gute Küche aus Omas Zeiten etabliert – der Gemeinderat hofft, dass man die jungen Pächter am Ort halten kann, auch wenn sie den "Ochsen" aufgeben müssen.