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Июнь
2021

Wiesloch: Pflegestützpunkt Wiesloch auch für Nachbarkommunen zuständig

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Von Sabine Hebbelmann

Wiesloch. Beratungsangebote für Pflegebedürftige und deren Angehörige gewinnen mit dem demografischen Wandel an Bedeutung. Um dem steigenden Bedarf Rechnung zu tragen, haben die Kassen und die kommunalen Landesverbände in einem Rahmenvertrag den Ausbau der Pflegestützpunkte in Baden-Württemberg vereinbart. Zu deren Umsetzung hat der Rhein-Neckar-Kreis das Beratungsangebot erweitert. "Wir konnten gewaltig aufstocken und haben die Beratung auf neue Füße gestellt", berichtet Gabriele Bandt vom Sozialamt. So gibt es jetzt nicht mehr wie bisher zwei, sondern fünf Pflegestützpunkte, die das gesamte Gebiet des Rhein-Neckar-Kreises abdecken.

Einer davon findet sich in Wiesloch. Im Dachgeschoss des Neubaus in der Schwetzinger Straße 59 beraten die Sozialarbeiterinnen Irene Thomas, Josefina Minchola Martinez de Herzog und Daniela Revermann gesetzlich Versicherte unter Wahrung des Datenschutzes unabhängig und kostenfrei. Die Sozialarbeiterinnen haben berufsbegleitend eine Ausbildung zur Pflegeberaterin absolviert. Bei Bedarf werden die notwendigen Hilfen organisiert und umfangreiche Hilfenetzwerke koordiniert.

Zuständig sind sie nicht nur für Wiesloch, sondern auch für Dielheim, Leimen, Malsch, Mühlhausen, Nußloch, Rauenberg, Sandhausen, St. Leon-Rot und Walldorf. Je nach Größe sollen dort künftig einmal pro Woche bis einmal pro Monat Sprechzeiten vor Ort angeboten werden. Die Einsatzzeiten werden aktuell noch mit den Gemeinden abgestimmt und sollen Ende Juni, Anfang Juli bekannt gegeben werden. Bedingt durch die Corona-Pandemie sollen vorerst persönliche Kontakte weitestgehend vermieden werden. In Notfällen sind aber auch Hausbesuche möglich.

Dass die Beratung auch per Telefon sehr gut funktioniert, berichtet Irene Thomas. Sie ist schon sehr lange im Beruf und hatte zuvor eine IAV-Informations-, Anlauf-, und Vermittlungsstelle bei der Stadt Wiesloch. Es handelte sich um ein Modellprojekt, die Zuschüsse sind mittlerweile weggefallen.

Viele informieren sich im Vorfeld nicht und verdrängen das Thema, hat die Sozialarbeiterin beobachtet. Bei beginnender Demenz oder nach einem Sturz stellen sich plötzlich Fragen wie: Wer hilft beim Einkaufen und bei der Medikamentengabe?

"Erst wenn es eng wird, meldet man sich und ist froh, wenn einen jemand an die Hand nimmt. Dabei ist es sinnvoll, rechtzeitig anzurufen", betont sie. Denn nicht nur die, die schon einen Pflegegrad beantragt haben, bräuchten Hilfe. "Betroffene möchten selbst über ihr Leben bestimmen, daher beraten wir sie auch gern direkt", betont sie.

Wiederkehrende Fragen betreffen die Pflegeversicherung: Was sind die Kriterien für die Einstufung? Wo bekomme ich praktische Pflege? Und nicht zuletzt: Wie stelle ich einen Antrag auf Hilfe zur Pflege? "Wir versuchen, uns einen Überblick über alle Angebote zu verschaffen", sagt Thomas. Nicht informiert wird über Vermittlungsagenturen, die eine 24-Stunden-Betreuung versprechen. "Das ist ein Graubereich, da nennen wir bei Bedarf nur die Kriterien, auf die man achten sollte." Etwa dass die Haushaltshilfen, die meist aus osteuropäischen Ländern stammen, im Herkunftsland sozialversichert sein müssen und dass auch für sie die hiesigen Arbeitszeitgesetze gelten. Sie empfiehlt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, die einen guten Überblick über das komplexe und schwierige Thema bietet.

In den Pflegestützpunkten bekommen die Beraterinnen mit, wo die "weißen Flecken" in der Pflegelandschaft sind und geben den Bedarf weiter an die Pflegekonferenz. "In den letzten zwei Jahren hat sich die Tagespflege gut entwickelt, es gibt da neue Impulse", berichtet Gabriele Bandt. Doch durch die Coronakrise musste alles wieder schließen.

Noch schlechter sieht es beim Thema Kurzzeitpflege aus: "Es gibt nur ganz wenige Plätze. Für die Angehörigen ist es schwer, Urlaub zu planen, wenn sie nicht wissen, ob sie einen Platz bekommen. Und die Pflegeheime können nicht das ganze Jahr über einen Platz freihalten." Dafür habe das Rote Kreuz betreutes Reisen im Katalog und einige Hotels seien auf Senioren spezialisiert.

"Die Menschen rufen bei uns an, weil sie große Sorgen haben. Sie wollen sich Luft machen", erzählt Josefina Minchola Martinez de Herzog. Wichtig ist ihr, sie erst einmal aufzufangen. "Umarmen mit Worten, danach kommt Beratung dazu", sagt sie. "Zuhören ist ein wesentlicher Aspekt", bestätigt Daniela Revermann und ergänzt: Durch Corona sind viele ältere Leute isoliert, doch es gibt Angebote von Organisationen und ehrenamtlich Engagierte in den Gemeinden, die einsamen Senioren ihr Ohr leihen. So bietet der Malteser Hilfsdienst einen Telefonbesuchsdienst an und die Bürgerstiftung Wiesloch vermittelt mit dem "Zeitgeschenk" Bewohnern der Stadt Gesprächspartner.

Unter folgenden Telefonnummern sind die Beraterinnen des Pflegestützpunktes Wiesloch erreichbar:

Irene Thomas, 0 62 21/5 22 26 26; Josefina Minchola Martinez de Herzog, 0 62 21/5 22 29 66; Daniela Revermann, 0 62 21/5 22 27 34. Weitere Informationen über die Pflegestützpunkte des Rhein-Neckar-Kreises sowie eine Broschüre, die die Leistungen der aktuellen Pflegeversicherung zusammenfasst, sind im Internet unter www.rhein-neckar-kreis.de/ pflegestuetzpunkte zu finden.