Eppingen: Eigentlich müssten Musiker längst schreien
Von Angela Portner
Eppingen. "Wir kämpfen ums Überleben", sagt Ralf Baumgärtner. Der Musiker betreibt in der Eisenbahnstraße die "Percussion-World" und weiß, dass es auch anderen Künstlern in der Pandemie so geht. Waren früher die Auftragsbücher gut gefüllt, geht seit mehr als einem Jahr gar nichts mehr. Während die Bundesregierung Milliarden an große Unternehmen zahlt, fallen Kunst- und Kulturschaffende in den meisten Fällen durchs Förderraster. Mit dem Crowdfunding-Projekt "Der Sommer, Dein Garten und Wir 2021" will er Künstlern und Bands nun Auftritte im kleinen Rahmen ermöglichen.
Ein Spendensammelprojekt mit Nachhaltigkeitsfaktor. Es soll nicht nur die Künstler unterstützen, bei denen durch die Verschiebung der Gartenschau nun weiterhin Ebbe in der Kasse bleibt, sondern auch eine Menge Spaß machen. Mit Abstand versteht sich. Für Privatpersonen kann das zur eigenen kleinen Gartenschau werden: 90 Minuten Livemusik aus dem Portfolio der teilnehmenden Künstler auf oder vor dem eigenen Grundstück. Mit ein paar Würstchen auf dem Grill und einem oder zwei kühlen Blonden in der Hand wird das ein ganz privates Event, das sicher unvergessen bleibt.
"Auch für die Händler in der Innenstadt wäre es eine super Idee", meint Baumgärtner, denn Musik und Kunst würden ganz sicherlich wieder mehr Kunden in die Stadt ziehen. Doch, bevor es so weit ist, braucht Baumgärtner Geld. Für Beschaffung und technische Ausstattung eines Bühnenanhängers sowie für die Gestaltung einer Homepage, Organisation und Werbung werden schätzungsweise 15.000 Euro draufgehen. Ein Teil davon wird für die auftretenden Musiker und Künstler benötigt. Mindestens 12.000 Euro müssen über Spenden finanziert werden, die restlichen 3000 übernimmt die Stadt. Da ist jeder Euro willkommen.
Als Anreiz gibt es ab 100 Euro ein Tagesticket für die Gartenschau und ab 500 einen Event-Workshop in Baumgärtners "Percussion-World". Das persönliche Livekonzert kostet 750 Euro, und für 1000 Euro kommt das Firmenlogo als Werbeaufdruck auf den Tour-Anhänger.
Anfang des Monats war Projektstart. Bis zum 8. Juli, 23.59 Uhr, muss die Startsumme im Kasten sein. Das kann eng werden. Schafft Baumgärtner es nicht, dann bekommen alle Spender ihr Geld wieder zurück, und das Projekt ist gestorben.
Deshalb hat der Musiker auch die Landespolitik angesprochen. Georg Heitlinger (FDP), Erwin Köhler (Grüne) und Michael Preusch (CDU) hätten bereits ihre Unterstützung zugesagt. Baumgärtner bekommt von allen Seiten viele positive Rückmeldungen: "Ein Eppinger Unternehmer hat bereits einen Live-Auftritt gebucht."
Jeden Tag steigt die Spendenkurve nun ein Stück. Ob es am Ende reicht? Er weiß, dass das Geld gerade jetzt nicht ganz so locker sitzt, aber schon ein paar Euro würden helfen, damit Kunstschaffende wieder Hoffnung schöpfen können. "Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist", sagte einst Victor Hugo. Eigentlich müssten die Musiker und ihre Instrumente nach einem Jahr "Auftrittsverbot" schreien, doch sie bleiben stumm. Das Virus hat ihnen den Stecker gezogen. Doch das muss ja nicht so bleiben.
Für den Eppinger hat das Projekt genau das richtige Veranstaltungsformat, denn es ist mit allen Einschränkungen durch die Pandemie vereinbar. Baumgärtner: "Es wird Zeit, dass die Menschen wieder etwas für sich tun und den Sommer und das Leben feiern." Am besten natürlich mit ganz viel Musik.
Info: Mehr Infos über das Projekt unter www.percussion-world.net oder telefonisch unter 0160 / 4404574
