Mannheim: Naloxon soll Drogensüchtige bei Überdosis retten
Mannheim. (env) Leben retten - so lautet, kurzgefasst, das Ziel des Drogenvereins Mannheim (DVM). Dabei sind aber auch die Klienten, also die Drogenabhängigen selbst, gefordert. Mit dem Projekt "Naloxonvergabe an Laien" geht der DVM dabei neue Wege. Ab Mittwoch, 19. September, werden Opiatkonsumenten im Umgang mit dem Notfallmedikament geschult.
Nach München, Frankfurt, Berlin und Köln bietet Mannheim als erste Kommune in Baden-Württemberg eine solche Schulung an. Schließlich komme es im Fall einer Überdosierung auf Minuten an, sagt DVM-Geschäftsführer Philip Gerber. Es sei deshalb nur logisch, dass dann die unmittelbar Anwesenden eingreifen müssen - in der Regel ebenfalls Abhängige. "Wir wollen Heroinabhängige befähigen, sich gegenseitig zu helfen", erklärt Gerber das neue Projekt.
Dafür eigne sich der Arzneistoff Naloxon hervorragend, weil es die Opiatrezeptoren freispüle und damit, zumindest für knapp 30 Minuten, die Drogenwirkung aufhebe. "Wegen der kurzen Wirkungsdauer muss mit der Anwendung direkt ein Rettungswagen alarmiert werden", sagt der DVM-Geschäftsführer. Die Klientel des DVM ist aber nicht gerade an Schulungen gewöhnt.
Diese sind jedoch notwendig, denn: "Aktuell gibt es das Präparat noch nicht als fertiges Spray, sondern es kommt in Kanülen." Damit müsse der Nasenzerstäuber erst geladen werden. Außerdem seien in der Schulung auch Mitglieder der Rettungsdienste integriert. "Wir wollen gemeinsam Leben retten", so Gerber, der auch auf den pädagogischen Ansatz verweist: "Auch unsere Klienten können damit zu Lebensrettern werden." Damit steige auch deren Selbstwertgefühl.
"Die Anwendung funktioniert als Nasenspray oder intramuskulär, aber für unsere Klientel ist das Nasenspray die geeignete Verabreichung", so Gerber. Trotzdem gehören auch zwei Kanülen, eine Spritze und ein Beatmungstuch zu dem Set, dass der DVM im Idealfall an alle Heroinabhängige der Stadt verteilen will. "Wir gehen von 1400 Heroinkonsumenten in der Stadt aus. Davon haben wir etwa auf die Hälfte Zugriff", so Gerber. Etwa 300 davon kommen wiederum für die Schulung in Frage.
Sie alle erhalten nach der Teilnahme an der Schulung das von Stadt und DVM finanzierte Naloxon-Notfallpaket. Das habe, neben der lebenserhaltenden Wirkung, einen weiteren Vorteil: "Für Nicht-Süchtige ist es ungefährlich", betonte der DVM-Geschäftsführer.
