Mannheim Marathon: Schotte Nikki Johnstone war einsame Spitze (plus Fotogalerie)
Von Thorsten Eisenhofer
Mannheim. Da saßen sie, die beiden Sieger, am späten Samstagabend zusammen auf dem Podium bei der Pressekonferenz nach dem Mannheim Marathon: Nikki Johnstone (ART Düsseldorf) und Merle Brunnée aus Heidelberg, das irgendwie ungleiche Siegerpaar der 15. Austragung des Marathons durch Mannheim und Ludwigshafen. Er, der Vielstarter, der im Monat häufiger einen Marathon läuft als andere Menschen es in ihre wöchentliche Trainingsstunde schaffen. Und sie, die gerade erst ihren zweiten Lauf über die 42,195 Kilometer absolviert hatte. Er, der große Favorit und zu erwartende Sieger. Sie, die eigentlich keiner vor dem Rennen auf der Rechnung gehabt hatte, als es um den Sieg im Frauenrennen ging. Aber sie hatte alle überrascht - inklusive sich selbst. Und beide hatten - noch so ein Unterschied - sehr verschiedene Geschichten zu erzählen. Das lag nicht nur an den unterschiedlichen Verläufen der Rennen von Männern und Frauen.
In der weiblichen Konkurrenz ging es richtig eng zu, bei Kilometer 30 lagen die ersten drei Läuferinnen innerhalb von knapp einer halben Minute. Und bis Kilometer 39 blieb es spannend, als Lea Düppe (engelhorn sports Team) nur wenige Meter hinter Brunnée lief. Dann konnte sich die strahlende Siegerin absetzen und kam letztendlich nach 3:01:12 Stunden über die Ziellinie. Während Brunnée von ihrem Erfolg total geflasht war, freute sich Düppe mit deutlich weniger Training und dadurch auch deutlich weniger Druck ihre Vorjahresplatzierung wiederholt zu haben.
Johnstone, ein seit zwölf Jahren in Düsseldorf lebender Schotte, lief im Samstag einsam vorneweg, hatte im Ziel, das er nach 2:28:20 Stunden erreichte, über 16 Minuten Vorsprung auf den Zweiten Dennis Klusmann (2:44:25). Er ist ein Vielstarter. Vor zwei Wochen lief er den Düsseldorf Marathon, vergangene Woche den Wings-for-Life-Run in München (er schaffte knapp 49 Kilometer) - nun der Sieg in Mannheim. "Ich laufe so gerne, dass ich immer laufen muss", sagte Johnstone und fügte hinzu: "In zwei Wochen habe ich meinen nächsten Marathon geplant. Vielleicht starte ich nächste Woche aber noch bei einem Rennen über zehn Kilometer. Ansonsten bekomme ich Entzugserscheinungen." Dabei fing der Lehrer erst 2012 mit dem Laufen an. Zuvor hatte er ein bisschen gekickt - in einer Thekenmannschaft. Zufällig startete er dann bei einem Lauf über zehn Kilometer in Köln. Daraus wurde eine Wettkampfsucht. Die stillt er nun meistens zusammen mit Dioni Gorla, seiner Freundin. Die Griechin wurde Dritte bei den Frauen (3:05:50).
Rang drei bei den Männern belegte der Lampertheimer Pasquale Totaro. Sein Glück über den erreichten Podestplatz konnte er zunächst kaum fassen und führte im Ziel erst einmal einen kleinen Freudentanz auf. Platz vier erreichte Thorsten Elfner (engelhorn sports Team/TV Schriesheim). Der Bammentaler ist immerhin schon 40 Jahre alt - und lief bei nicht optimalen Laufbedingungen in 2:54:56 Stunden eine persönliche Bestzeit. "Eigentlich wollte ich in Richtung 2:50 Stunden laufen, aber dafür war es am Anfang zu warm. Am Ende waren die Bedingungen dann perfekt." Totaro und Elfner ließen dabei einige höher gehandelte Athleten deutlich hinter sich - wie etwa Kibrom Isaac (LG Kurpfalz/3:08:24) oder Matthias Müller (TSG Weinheim/3:20:53).
Der Veranstalter des Marathons, die Sporteventagentur M3, hatte vor der 15. Austragung des Marathons in diesem Jahr ein neues Konzept erarbeitet. Dabei soll auf schnelle Deutsche und flotte (Nachwuchs-)Läufer aus der Region gesetzt werden. "Das Athletenkonzept ist wunderbar aufgegangen", sagte Christian Herbert, Geschäftsführer der Sporteventagentur M3: "Das Frauenrennen war ein richtiges Battle, da war Spannung drin."
Insgesamt waren beim Mannheim Marathon in diesem Jahr rund 9 200 Teilnehmer über die verschiedenen Distanzen dabei - 3 500 von ihnen beim Halbmarathon. Schnellster war dabei Bill Martin, ein US-Amerikaner, der seit zwei Monaten in Heidelberg lebt und dort als Biologe arbeitet. Der 27-Jährige absolvierte seinen ersten Lauf in Deutschland - und fing den lange Führenden Christian Schreiner (LAZ Puma Rhein-Sieg) auf dem letzten Kilometer noch ab. Nach 1:11:27 Stunden hatte Martin acht Sekunden Vorsprung. Sein weibliches Pendant war Lea Cagol (LSG Karlsruhe), die eigentlich Triathletin ist. Sie war nur am Start, weil ihre Mutter, die bei der SRH in Heidelberg arbeitet und ebenfalls an der Startlinie stand, sie überredet hatte.
